Reiterstaffel

Vier Pferdestärken für mehr Sicherheit

Die neue Reiterstaffel des DRK-Ortsverbands in Jesteburg meldet sich einsatzbereit. Pferde müssen auch an Feuer gewöhnt werden.

Bendestorf. Die Suche nach vermissten Personen in den unwegsamen Waldgebieten des Landkreises Harburg kann künftig schneller durchgeführt werden als bisher. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat eine neue Reiterstaffel in Dienst gestellt, die bei solchen Sucheinsätzen die Rettungskräfte von Polizei und Feuerwehr unterstützen kann.

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Die Reiterstaffel verbindet soziales Engagement in der Hilfsorganisation mit dem Hobby Reitsport und wirkt damit werbewirksam für den Bereitschaftsdienst. Der Landkreis Harburg werde unter anderem in Katastrophenfällen auf die junge DRK-Einheit zurückgreifen. Denn die Pferde können auch überall dort hin, wo mit schweren Fahrzeugen kein Durchkommen ist.

Möglich ist den bislang vier DRK-Reiterinnen der Weg durchs dichte Unterholz, weil sie auf kleinen trittfesten Islandponys unterwegs sind. Das unterscheidet sie von der größten Sanitätsreiterstaffel Deutschlands, die der Harburger Regionalverband der Johanniter-Unfallhilfe unterhält. „Die Hälfte unserer Pferde sind Hannoveraner“, sagt Martina Leffrang, die das 30-köpfige Team leitet. „Mit ihren längeren und schlankeren Beinen sind sie fürs Reiten auf großen Flächen wie der Heide um den Wilseder Berg geeignet.“ Dort stehen die Johanniter zur Hauptreisezeit bereit, um Wanderern im Notfall erste Hilfe leisten zu können.

Ein fester Kooperationsvertrag wie ihn das DRK abgeschlossen hat, kommt für Leffrang bislang nicht infrage. „Um für mein Pferd die Verletzungsgefahr gering zu halten, nehme ich keinen Ritt durch einen dunklen Wald in Kauf“, sagt sie. Ihr vierjähriger Hannoveranerhengst „Roix de coeurs“ ist 1,74 Meter groß und noch nicht ausgewachsen. Auf Waldwegen muss sie oft tief hängenden Ästen ausweichen und sieht damit sogar ihre eigene Gesundheit bei einem Nachtritt durch unbekanntes Terrain als potenziell gefährdet an. Leffrang: „Und wenn unseren Pferden im Einsatz etwas passiert, müssen wir die Tierarztrechnung selbst bezahlen.“ Bei der DRK-Staffel gilt eine spezielle Tier-Haftpflichtversicherung des Pferdebesitzers als Voraussetzung, für Ausrüstung und Bekleidung werden weitere etwa 1000 Euro fällig.

Das ohnehin teure Hobby Reiten birgt für die Sanitätsreiterinnen zwar ungewisse Kostengefahren für Heilversorgungen. Für Kirsten Köhler bedeutet die Mitgliedschaft in der Reiterstaffel aber auch die Chance auf ein intensiveres Training mit ihrem Isländer Hrafntinna. Die 44 Jahre alte Kosmetikberaterin am Buchholzer Krankenhaus interessierte sich für die Ausbildung zur ehrenamtlichen Sanitätshelferin beim DRK. „Dass ich mein neues Hobby jetzt auch noch mit dem Reiten verbinden kann, finde ich perfekt.“

Um hoch zu Ross bei Hilfseinsätzen mitarbeiten zu können, ohne selbst zum Unfallopfer zu werden, müssen Bewerber für die DRK-Staffel Reiterfahrung gesammelt haben und absolut sattelfest sein. „Wir sind keine Reitschule und können auch keine Pferde zur Verfügung stellen“, sagt DRK-Sprecherin Stephanie Zwilling. „Außerdem ist ständiges Üben von Mensch und Tier zwingend notwendig, um gemeinsam einsetzbar zu sein.“ Beim so genannten Gelassenheitstraining geht es vor allem darum, dass die Fluchttiere auch in Stresssituationen die Ruhe bewahren, beispielsweise wenn ein Einsatzfahrzeug von Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei mit schrillender Sirene oder grell flackerndem Blaulicht an dem Pferd vorbeifährt.

Die Reiterstaffel bei einem internationalen Reitturnier in Luhmühlen.

Derzeit üben Kirsten Köhler sowie Anna Böttcher den Ritt mit einer brennenden Fackel in der Hand. „Damit sollen die Pferde an Feuer gewöhnt werden“, sagt Hobbyreiterin Köhler. „Das zeugt von einem starken Vertrauensverhältnis mit dem Pferd.“ Wichtig sei das, um im November Laternenumzüge mit Kindern in Bendestorf und Jesteburg zu begleiten und medizinisch abzusichern. Verteilt auf ihre Satteltaschen haben sie Verbandsmaterial und Medikamente, Beatmungsmasken und einen Defibrillator immer dabei.

Sollten Sie mehr über die Reiterstaffel der Bereitschaft Jesteburg erfahren wollen dann steht Ihnen Michel Rüscher (m.ruescher@drk-jesteburg.de)  gerne zur Verfügung.